Die Kunst des Bodypaintings – eine Erfahrung für alle Sinne

Am 30. September stand Meran ganz im Zeichen des Bodypaintings. Nun schon zum vierten Mal wurde hier das Finale des Rabarama Skin Art Festivals ausgetragen, wichtigstes Bodypainting-Event in ganz Italien. Wir hatten die große Freude, die Künstlerin und Schirmherrin des Festivals, Rabarama alias Paola Epifani, bei uns willkommen zu heißen, und haben die Gelegenheit genutzt, um mit ihr über die Kunst des Bodypaintings und das Festival zu sprechen.

Frau Epifani, zunächst eine Frage zur Definition von Bodypainting: Würden Sie vom Bodypainting als einer Mischform aus Bildhauerei und Malerei sprechen? Welcher der beiden Aspekte überwiegt dabei?

Es handelt sich sicherlich um eine Mischform, aber für mich überwiegt doch der malerische Aspekt, denn der Körper dient lediglich als „Leinwand“ und wird nicht selbst geformt. Die Kunst besteht darin, diese ungewöhnliche Leinwand zu bemalen. Dann liegt es am Performer, dem Kunstwerk auf der Bühne Leben einzuhauchen, was dann aber nichts mehr mit Bildhauerei zu tun hat.

 

Die Performance spielt also eine Schlüsselrolle. Wie jede performative Kunstform hat auch das Bodypainting etwas Flüchtiges, Vergängliches: Die Farbe wird abgewaschen und kann so kein zweites Mal aufgetragen werden. Liegt genau darin die Faszination für den Künstler? Ist es nicht auch schmerzhaft zu wissen, dass vom Kunstwerk nichts bleibt?

Wenn sich ein Künstler an diese Kunstform heranwagt, weiß er ja schon, wofür sein Werk bestimmt ist und versucht, den Moment der Performance so einzigartig wie möglich zu gestalten und damit ein Kunstwerk für wenige Auserwählte zu schaffen. Deswegen sehe ich diese Besonderheit des Bodypaintings eher als Mehrwert, als etwas Exklusives, das nur diejenigen bereichern kann, die live dabei sind.

 

Kann ein Kunstwerk trotzdem wiederholt werden, vielleicht sogar auf einem anderen Körper?

Natürlich kann man ein Werk auf verschiedenen Körpern wiederholen und dabei beobachten, wie es sich an eine jeweils neue „Leinwand“ anpasst, aber der Reiz ist doch größer, wenn man jedes Mal etwas von Null auf erschafft und dann den passenden Performer auswählt, der das Werk lebendig werden lässt.

 

Wie stark beeinflusst der Körper, auf dem ein Bodypainter malt, das Endergebnis? Wie gehen Sie dabei vor: Fertigen Sie zuerst eine Skizze an oder lassen Sie sich von den Besonderheiten eines bestimmten Körpers inspirieren?

Die Wahl des Performers spielt, wie schon gesagt, eine große Rolle für das Endergebnis. Normalerweise wähle ich zuerst die Person aus, die mein Werk tragen und repräsentieren soll, und lasse mich direkt von deren Körper inspirieren.

 

Ihre Arbeit inspiriert zahlreiche Bodypainter, darunter auch viele Teilnehmer des Rabarama Skin Art Festivals in Meran, das inzwischen ja schon zum vierten Mal stattfindet. Wie hat sich das Event im Laufe der Jahre verändert?

Das Projekt, das in Partnerschaft mit Kryolan Italien entstanden ist, sollte eine Plattform für das Bodypainting als Kunstform in seiner höchsten Ausprägung sein und damit eine Gegentendenz zu dem oftmals unseriösen Einsatz dieser Technik in den letzten Jahren darstellen. Nicht ohne Stolz kann ich behaupten, dass wir uns trotz bestimmter Schwierigkeiten diesem Ziel mit jeder Ausgabe weiter nähern. Die Nachwuchskünstler erkennen den Wert des Wettbewerbs, bei dem mehrere Formen zeitgenössischer Kunst zum Einsatz kommen und im Finale ein wahres Happening inszeniert wird, das sich in keiner Weise mit den anderen Bodypainting-Wettbewerben vergleichen lässt. Die Teilnehmer werden von Jahr zu Jahr origineller und technisch versierter und beweisen, mit wie viel künstlerischem Feingefühl sie ihre Bodypainting-Fertigkeiten mit Musik, Tanz und Video zu verbinden vermögen.

 

Weshalb wurde ausgerechnet Meran als Location für das Finale ausgewählt? Wird die Stadt auch weiterhin Austragungsort des Festivalhöhepunkts bleiben?

Meran wurde ganz einfach deshalb gewählt, weil sich hier der Hauptsitz der Firma Kryolan befindet, aber es ist nicht ausgeschlossen, dass das Festivalfinale in den kommenden Jahren wandert.

 

Meran ist als Stadt ziemlich provinziell – hat das auch Auswirkungen auf das Festival?

Leider schon. Trotz all unserer Bemühungen mussten wir feststellen, dass dem Festival als Kunst- und Kulturprojekt auf administrativer Ebene nicht die nötige Wichtigkeit zugedacht wird.

 

Und die Zuschauerzahlen? Sind sie eher steigend oder sinkend? Was sind mögliche Gründe dafür?

Sicherlich haben die verschiedenen Locations innerhalb von Meran für einen schwankenden Zuschaueransturm gesorgt. Um dieses Problem zu lösen, spielen wir mit dem Gedanken, das Festival in eine Stadt zu verlegen, wo mehr Interesse besteht – sei es von Seiten der Zuschauer als auch der Gemeinde.

 

Das Festival besteht aus zwei Kategorien, eine für Debütanten, die andere für Profis. Inwiefern unterscheiden sich die Teilnehmer dieser beiden Kategorien in ihrer Herangehensweise und Inspiration bzw. dem technischen Können?

Man merkt, dass die Profis schon an verschiedenen nationalen und internationalen Events teilgenommen haben und deshalb mit der Technik vertraut sind und auch mit größerer Reflektiertheit ans Werk gehen. Trotzdem überraschen gerade die Debütanten oft mit inhaltlicher Frische und Originalität und auch durch ihr Talent, mit dem sie ihre technische Unerfahrenheit wettmachen.

 

Das Thema des diesjährigen Finales lautete „Schicksal und freier Wille“. Wie viel Interpretationsfreiheit haben die Künstler in Bezug auf das Thema?

Absolute Interpretationsfreiheit – jeder lässt seine eigene Erfahrung und seine Studien ins Projekt einfließen, und was dabei herauskommt, wird dann von der Jury bewertet.

 

Inwiefern unterscheidet sich das Rabarama Skin Art Festival von anderen Bodypainting-Events?

Das Festival unterscheidet sich wie gesagt durch den an die Künstler gestellten Anspruch, wobei es nicht nur um technisches Können, sondern auch um inhaltliche Tiefe geht. Damit noch nicht genug, erwarten wir von den Teilnehmern auch die Inszenierung einer Performance, die das Publikum mit allen seinen Sinnen involviert.

 

Das Publikum mit allen Sinnen involvieren – genau das ist den Finalisten dieses so einzigartigen Wettbewerbs auch dieses Jahr unleugbar gelungen. Sie sind neugierig geworden? Dann blättern Sie doch durch die Fotogalerie des Festivalfinales.

Erwin Glenn Hillyard – Sieger des Fotowettbewerbs
Team Kryolan City Torino – Model Ale Destefanis
Elvira Sorba – Model Edoardo Gea
Adela Filipovici – Model Maura Militello
Laura Errico – Model Sara Alyssa Fiori
 
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